Wie hast du die Themen in deinen Alltag integriert?

Antje: Ich entdecke und wecke gezielt Potentiale in allen Menschen, mit denen ich interagiere. Persönlich habe ich gelernt, mich abzugrenzen, mir eine große Nonkonformität und viel Ruhe und Abstand zu gönnen.

Alma: Die Hoch-X-Themen beschäftigen mich professionell und sind allein deshalb nicht aus meinem Alltag wegzudenken. Die Beschäftigung mit Klienten oder Kollegen mit derselben Betroffenheit und meine stete Weiterbildung auf diesem Gebiet bedeuten jedoch nicht, dass ich selbst meine eigene Betroffenheit für den einen oder anderen Moment nicht aus den Augen verlieren würde. Dann muss ich mich wieder besinnen. Die Arbeit mit Klienten und der fachliche Austausch mit Kollegen sowie die Supervision sorgen für eine stete Beschäftigung mit dem Themenkomplex und für einen eigenen Weiterentwicklungsprozess, der in diesem Beruf unerlässlich ist. Zudem gibt es einen kleinen Kreis von Menschen, der mich und meine Themen kennt, versteht und mir allein damit viel Unterstützung gibt.

Eva: Ich bin beruflich selbstständig, für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Es schenkt mir Freiheit und Selbstbestimmung. Ich habe Freunde, die so ticken wie ich, bei denen ich so sein darf wie ich bin. Und bei denen ich dabei sein darf, wenn sie sich so geben wie sie sind. Spannend und berührend. Und ich höre auf meine Bedürfnisse. Bis hin zur vollkommenen Selbstakzeptanz und Selbstliebe liegt noch ein langer Weg vor mir. Zweifel habe ich immer wieder. Gleichzeitig entwickle ich mich rasend schnell und genieße es.

Johanna: Abgesehen von meinem Job? Nun, ich tausche mich regelmäßig mit FreundInnen aus, die mir ähnlich sind in ihrer Verarbeitungsgeschwindigkeit, oder ihrem Blick auf die Welt. Mit denen ich reden kann, wie ich denke, ohne anzuecken oder zu überfordern. Indem ich mittlerweile bewusst ein Umfeld erschaffe, in dem Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal, nicht als Krankheit gesehen wird, und Hochbegabung eine Gemeinsamkeit darstellt (übrigens nicht unbedingt getestete, sondern einfach gelebte Hochbegabung!) erlaube ich mir selbst, zu entspannen. Anzukommen in dieser Welt. Mich zu entfalten und zu zeigen, selbst wenn das noch immer oft mit einer gehörigen Portion Herzklopfen verbunden ist.